Asiatische Kampfsportarten
Sowohl Japaner und Koreaner als auch Chinesen und Inder haben die Mythologie bemüht um nachzuweisen, daß die ältesten und ursprünglichsten Kampfsysteme in ihren Ländern existiert haben. Immer wieder wurde versucht, dies durch entsprechende Legenden und Geschichten zu untermauern. Sicher sagen kann man jedoch, daß alle Kampfsysteme in Japan vervollständiqt oder verändert wurden.
Von diesen Kampfsystemen haben 5 verschiedene Kampfsportarten sich auch
im Westen ausgebreitet:
In der Folge soll versucht werden, näher auf einige der einzelnen Kampfsportarten einzugehen.
Logischerweise macht hier Judo den Anfang.
J U D 0 : sanfter Weg - harter Sport ?!
Erwin Bälz, ein Medizinprofessor, der 1876-1902 an der Universität in Tokio lehrte, machte durch Zufall die Bekanntschaft mit dem damals 70-jährigen Ju-Jutsu-Lehrer Totsuka, dessen körperliche Fitness er bewunderte. Es gelang Bälz, seine Studenten für diese Kunst zu begeistern. Am meisten konnte er den Studenten Jigoro Kano motivieren, der sich von da an bemühte, Lehrer zu finden, die die alten Kampfsysteme noch beherrschten.
Nachdem er eine Vielzahl von Schulen verschiedener Systeme ausfindig gemacht und ausprobiert hatte, war er in der Lage, die Kampfsysteme in ihrer Gesamtheit zu beurteilen. An allen Systemen, die er kennengelernt hatte, mißfielen ihm die Schmerzhaftigkeit und die Verletzungsgefahr, die mit vielen Techniken verbunden waren. 1882 eröffnete er 23-jährig seine eigene Schule, die er ,Kodokan" nannte, Schule zum Studium des Weges. Sein System nannte er Judo (sanfter Weg).
Kano versuchte, das Ju-Jutsu zu überwinden, indem er die reine
Kriegstechnik zu einer Sportart umwandelte. Im Laufe der folgenden Jahre
schied Kano alle gefährlichen Schläqe und Tritte aus, um Judo
sport-und wettkampffähiq zu machen. Wichtigste Änderung war das
Einführen der Grundstellung (Shizentai) und der Faßart (Kumi-kata).
Eine so enge Distanz hatte es im ernstfall-orientierten Ju-Jutsu nicht
gegeben.
Von technischer Seite her entwickelte er die Griffe und Würfe nach dem Grundsatz ,,Siegen durch Nachgeben".
Das heutige Judo besteht aus 40 Grundwürfen, 20 Haltegriffen, 30
Würgegriffen und 25 Hebel.
Der Bewegungsablauf wird bei allen Techniken in drei Phasen eingeteilt:
1. Gleichgewicht des Partners brechen (Kuzushi)
2. Ansatz der Technik (Tsukuri)
3. Durchführen der Technik (Kake).
Das folgende Schema soll alle Technik-Gruppen verdeutlichen:
Würfe aus dem Stand (Tachi-waza):
a) Schulter-Würfe (Te-waza)
b) Hüft-Würfe (Koshi-waza)
c) Fuß- und Beinwürfe (Ashi-waza)
Würfe durch eigene Bodenlage (Sutemi-waza):
a) Würfe durch Rückenlage (Ma-sutemi-waza)
b) Würfe durch Seitenlage (Yoko-sutemi-waza)
Boden-Techniken:
Haltegriffe Würgegriffe Hebel
(Osaekomi-waza) (Shime-waza) (Kansetsu-waza)
Um den Zusammenhang zwischen den vielen asiatischen Kampfsportarten
verstehen zu können, muß man ein wenig Einblick in die historischen
Kampfsysteme haben, die die Entwicklung der Kampfsportarten beeinflußt
haben.
Zum gleichen Kampfsystem gehören Judo, Aikido und Jiu-Jitsu . Alle
diese Sportarten enthalten Techniken aus dem Jutsu-System. Aus einem anderen
Kampfsystem entwickelte sich Kendo (Verteidigung mit einem Stock) oder
Kyudo (Bogenschießen).
Dies alles sind Kampfsportarten, die im Westen Verbreitunq gefunden haben.
Allen ist eines gemeinsam: sie haben Techniken der Samurai-Kampfsysteme
übernommen und weiterentwickelt. Die meisten dieser Samurai-Systeme
sind im Westen nicht bekannt, und werden zum Teil auch in Japan nicht mehr
ausgeübt. Was geblieben ist, sind Techniken, die in andere Kampfsportarten
eingebaut wurden.
IAI-JUTSU
Wie ausgeklüqelt diese Samurai-Systeme waren mag das Iai-Jutsu
zeigen, die Technik des Schwertziehens. Man mag sich überlegen: dieses
System beinhaltete nur das Ziehen des Schwertes! Doch unter welchen Bedingungen!
Da man jeder Situation gewachsen sein wollte, wurde das Schwert während
des Trainings aus hockender, liegender und sitzender Stellung gezogen.
Alle möglichen Eventualitäten wurden berücksichtigt. Im
Dunkeln mußte der Schüler ebenso sicher sein wie bei blendender
Sonne. Es wurden enge Räume simuliert, die es unmöglich machten,
auf normale Weise das Schwert zu ziehen. Eine Iai-Jutsu-Schule ging sogar
soweit, daß man mit einem Pfeil auf den Schwertkämpfer schoß,
und dieser den Pfeil mit einem Schlag abwehren mußte. Diese Übung
wird heute noch betrieben, jedoch hat man inzwischen den Pfeil abgepolstert.
Alle Techniken werden gegen imaginäre Gegner ausgeführt Es
gibt etwa 20 Arten des Nuki-suke (Herausziehen des Schwertes) und 50 Arten
des Kin-suke (Schlagbewegung). Nur das makabre Chiburi, das Abschütteln
des Blutes, und das Noto , Zurückstecken des Schwertes, sind immer
gleich.
Im Verlauf ruhigerer politischer Zeiten erging es dem Iai-Jutsu ähnlich wie den anderen alten Kampfsystemen:
militärisch optimal ausgebildete Eliten wurden Anachronismus. Aus
dem Iai-Jutsu wurde Iai-Do, eine Methode zur Atemschulung und Konzentration.
KENDO
Das Kendo geriet nicht in völlige Vergessenheit, da einzelne Meister
durch das Land zogen und gegen Geld Schwertvorführungen abhielten.
Als die Amerikaner das Nachkriegsverbot, Kampfsysteme auszuüben, wieder
aufhoben, wurde Kendo und Judo wieder an den Schulen als Leibeserziehungsprogramm
aufgenommen.
Der Ausrüstung im Kendo kommt eine wichtigere Bedeutung zu, als in anderen Kampfsportarten.
Vielleicht ist hier ein kurzer Rückblick auf die Entwicklung der Rüstung interessant.
Die alten Samurai-Rüstungen wogen etwa 20-30 Pfund, und waren so
immer noch leichter als die europäischen Ritterrüstungen. Eine
Rüstung bestand aus mindestens 23 Einzelteilen und wurde mit Hilfe
eines Zweiten angelegt. Die zahlreichen Einzelteile waren mit bunten Seidenbändern
miteinander verbunden. Dadurch erlangte die Rüstung eine hohe Flexibilität.
Auffälligste Teile der Rüstung waren die Halbmasken und der gewaltige
Helm.
Nachdem sich das Kendo immer mehr zu seiner heutigen Form entwickelte,
paßte man auch die Rüstung entsprechend an. So war es nicht
mehr notwendig, wie auf dem Schlachtfeld Beine und Rücken zu schützen.
Auch der Helm, Schmuck und Statussymbol des Trägers, konnte einer
einfacheren Form weichen. Zur modernen Rüstung (Bogu) gehört
eine Baumwolljacke (Keikogi) und eine weite, rockähnliche Hose (Hakama).
Die Jacke ist bei den Schülern weiß, bei Meistern schwarz. Einzelne
Schülergrade werden nicht sichtbar gemacht. All dies wird zusammen
mit einem Kopftuch unter der eigentlichen Rüstung getragen.
Diese besteht aus dem Hüft- und Bauchschutz aus dicker Baumwolle,
dem Brustpanzer aus Bambus und Leder, der Gesichtsmaske, aus Schutzplatten
für Schulterschläge und einer gesonderten Platte zum Schutz des
Kehlkopfes. Nicht zu vergessen sind die schweren gepolsterten Lederhandschuhe,
die Hände und Unterarme schützen. Dazu kommt dann noch das Shinai,
das Übungsschwert, das aus 32 Bambusstreifen in 4 Schichten besteht,
und mit wachsgetränkten Bändern zusammengehalten wird.