Die Judo-Prinzipien
(Auszug aus "Judo lernen" von Ulrich Klocke, ISBN 3-922006-10-8)
Jigoro Kano (28. Oktober 1860 - 4. Mai 1938) hat das Üben, Trainieren und Anwenden von Judotechniken zwei Prinzipien untergeordnet, die alle Judoaktionen bestimmen.
"Sei-Ryoku-Zen-Yo" -das technische Prinzip
Das erste Prinzip beschreibt, wie man die Judotechniken ausführen soll und wie man sich im Kampf zu verhalten hat. Es kann mit "Bester Einsatz von Geist und Körper" oder "Bester Einsatz der vorhandenen Kräfte" umschrieben werden und beinhaltet eine deutliche Absage an das "Kraftmeiertum", die bloße Anwendung schierer physischer Kraft. Mit diesem Prinzip will Kano den Begriff Ju ("sanft, nachgebend, geschmeidig") des Wortes Judo näher charakterisieren. Die Idee des Siegens durch Nachgeben, sowohl als körperliche Eigenschaft wie auch als geistig-emotionale Einstellung findet sich hier wieder.
In der Judo-Praxis können u. a. folgende technisch-taktischen Grundsätze diesem Prinzip zugeordnet werden:
"Ji-Ta-Kyo-Ei" -das moralische Prinzip
Das
zweite Prinzip Jigoro Kanos hebt Judo über eine bloße Zweikampfsportart
hinaus und läßt , es zum Erziehungssystem werden. In der Übersetzung
kann man dieses Prinzip als "Gegenseitige Hilfe für den wechselseitigen
Fortschritt und das beiderseitige Wohlergehen" (Kurz: Gegenseitiges
Helfen und Verstehen) übersetzen. Kano macht damit deutlich, mit welcher
Einstellung und Haltung man Judo erlernen und betreiben soll. Er macht
klar, daß der Partner nicht nur "Übungsobjekt" ist,
jemand, an dem man übt, sondern ein Gegenüber, für das man
Verantwortung entwickeln muß und für dessen Fortschritt in technischer
und persönlicher Hinsicht man genauso arbeiten muß, wie für
den eigenen. Ohne willig mitarbeitenden Partner ist ein Judo-Studium nicht
möglich. Mit dem Prinzip des gegenseitigen Helfens und Verstehens
hat Kano den Aspekt des Do ("Weg, Prinzip, Grundsatz") des Wortes
Judo als Lebensweg oder prinzipielle Einstellung zum Leben im Miteinander
näher beschrieben.
Auf der Judo-Matte kann man die Anwendung dieses Prinzips unter anderem daran erkennen, daß